de | en

Liebe Joanna Wozny,

Sie sind die erste Composer in Residence von PHACE. Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Rahmen sowohl ältere Werke als auch zwei Uraufführungen gemeinsam realisieren können. Im letzten Jahr waren Sie mit vielen neuen Werken im österreichischen Konzertleben vertreten.

Geht Ihnen das Komponieren leicht von der Hand?

Mit steigender Erfahrung steigt auch das Arbeitstempo. Je differenzierter die Klangvorstellung, je genauer die Gegebenheiten der Instrumente einem präsent sind, umso besser und gezielter kann man mit diesem Wissen arbeiten. Komponieren ist für mich eine ständige Suche nach neuen Lösungen, neuen Klang- konstellationen, nach neuem Material. Diese Suche bedarf einer gewissen Anstrengung, ich brauche z.B. für jedes Stück mindestens drei Anläufe. Sobald das Ergebnis richtig ist, spüre ich es. Das ist so ein Gefühl, ein Gefühl, dass es jetzt “stimmt”.

Ihr Werkkatalog besteht größtenteils aus kammermusikalischen Werken. Gibt es eine besondere Affinität zur Kammermusik?

Dass bei mir ein Großteil der Stücke kammermusikalisch ist, hat sich durch die Projekt- bzw. Auftragslage ergeben. Es gibt aber auch 3 Orchesterstücke von mir. Mich interessiert beides gleichermaßen.

Ihre Musik setzt sich aus vielen kleinen, motivischen Gesten und einer breiten Vielfalt an unterschiedlichsten Spieltechniken zusammen. Sondieren Sie im Vorfeld das „Klangmaterial“ bzw. wie gehen Sie an eine neue Komposition heran?

Die Arbeitsweise variiert je nach Projekt bzw. Besetzung. Meist denke ich am Anfang der Komposition an die Besetzung und versuche, Klangkombinationen zu finden, die mir interessant vorkommen. In den letzten Stücken habe ich versucht, Klang- und Strukturdenken zu verbinden, d.h. ich habe den Klang gleich strukturiert gedacht. Auf diese Weise bieten sich viel mehr Möglichkeiten der Transformation.

Am 15. März wurde im Konzerthaus das neueste Werk “mobile elements” uraufgeführt. Könnten Sie uns kurz etwas über dieses neue Werk erzählen?

In der Komposition wechseln tiefe Klänge mit geräuschhaften Klängen, in schnellem Tempo und in variierender Reihenfolge, wobei die Reihenfolge der Wiederholungen nicht von formaler Bedeutung ist. Darauf bezieht sich auch der Titel, “mobile elements”. Der letzte Teil des Stückes wurde inspiriert durch einen Effekt, welcher nach Abschalten von manchen Geräten eintritt – manchmal entstehen da noch leise Geräusche, die immer weniger werden. Dieser Teil besteht fast ausschließlich aus punktuellen Ereignissen, die keine starke Präsenz besitzen, also nicht ganz konkret sind.

Wie sehen Ihre kompositorischen Pläne für die nähere Zukunft aus?

Zurzeit arbeite ich an einem Stück für Stimme solo. Zwei nächste Projekte sind auch Solostücke – für mich eine noch nicht “erprobte” Besetzung. Ich freue mich auf diese Herausforderung.

Vielen Dank für das Interview!