Music Theatre

Reise nach Comala

Germán Toro Pérez (music)

(world premiere) „Theater der Künste“
(Bühne A) der ZHdK, Zürich
May 16th, 2017
7.30 pm

Theater der Stimmen nach dem Roman „Pedro Paramo“ von Juan Rulfo für Sopran, Vokalensemble (8), Kammerensemble (9), Schauspieler (7)
und Elektronik (2)

 

production by VEZ, in co-operation with PHACE,
financed by Ernst von Siemens Musikstiftung,
supported by City of Zürich

 

DIRECTOR & LIBRETTO

Stefan Nolte

conductor

Peter Siegwart

STAGE DESIGN

Matthis Neidhardt

SOUND PROJECTION

Florian Bogner

VOKAL ENSEMBLE ZÜRICH

Muriel Schwarz, solo
Keiko Enomoto, Jean-Christophe Groffe,
Reto Hofstetter, Jean Knutti, Gianna Lunardi,
Chasper Mani, Akira Tachikawa

PHACE

Doris Nicoletti, flute
Michael Krenn, saxophone
Daniel Riegler, trombone
Berndt Thurner, percussion
Ivana Pristasova, violin
Petra Ackermann, viola
Roland Schueler, cello
Alexandra Dienz, double bass

kindly suppported by

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Vorbemerkung

„Man muss die Toten ausgraben, wieder und wieder, denn nur aus ihnen kann man Zukunft beziehen“, sagte Heiner Müller. Das Musiktheater Reise nach Comala ist ein Gespräch mit Toten.

Comala ist der Ort, an dem die Stimmen jener Unerlösten gespeichert bleiben, die unter der gewissenlosen Herrschaft Pedro Páramos mitsamt ihrem Dorf untergegangen sind. Auf die Bühne gebracht wird ein „Theater der Stimmen“, ein vielstimmig klingender Raum, der die Trennung zwischen Zuschauer und Bühne aufhebt.

Ausgangspunkt ist Juan Rulfos einziger Roman Pedro Páramo aus dem Jahre 1955, der heute als Klassiker der modernen lateinamerikanischen Literatur und als einsamer, kühn montierter Vorläufer des magischen Realismus gilt. Der ständige Wechsel der Erzählperspektive, die komplexe Montage der Handlungs- und Zeitebenen, die poetisch stilisierte Umgangssprache macht ihn zu einem einzigartigen und aktuellen Werk, in dem der Leser im vielstimmigen Gemurmel zum Mitschöpfer der Geschichte wird.
Gezeichnet wird das Bild einer rigiden, in einem System aus Abhängigkeit und Mittäterschaft erstarrten Gemeinschaft, die zur Erneuerung nicht fähig ist. Selbsttäuschungen und Illusionen verhindern jeden Kampf um Freiheit, denn eine Revolution ist nichts ohne die Einsicht in den eigenen Selbstbetrug.
Der Roman berührt zeitüberdauernde Themen und ist als ein Rückblick auf das Jahrhundert der Revolutionen und ihrer sozialen und individuellen Vorbedingungen zu lesen. Von der mexikanischen Revolution (1910-1917) bis zu den Studentenmorden von Iguala im September 2014 können Fragen nach der Veränderung gesellschaftlicher Systeme und der Kraft des Widerstands gestellt werden.

„Meine Musik war von Anfang an einerseits durch das Bestreben getrieben, Aspekte des Lebens, des Alltags und der Wirklichkeit als Ausgangspunkt zu nehmen und durch Abstraktionsprozesse in musikalische Form zu verwandeln. Andrerseits ist sie durch wiederkehrende Gespräche gekennzeichnet: mit Borges, Pessoa, Rothko, Wölfli, Arguedas, Rulfo… Dadurch, und vor allem durch diese ‚Gespräche mit Toten’, habe ich mich mit Themen befasst, die existenzielle Kerne berühren: die widersprüchliche, prismatische Identität des modernen Menschen und das Wort als Basis der Konstruktion von Welten. Besonders durch die Auseinandersetzung mit José María Arguedas und mit Juan Rulfo habe ich die in der Sprache verschlüsselte, unüberwindbare mythische Grundlage der lateinamerikanischen Kultur vernommen.“ (Germán Toro Pérez)

Die Musik Germán Toro Pérez‘ ist ganz dem Text Rulfos verpflichtet, dessen kultureller Schärfe, sprachlicher Vielfalt und poetischer Kraft. Erzählt wird aus einer Perspektive jenseits des Todes, die Zuschauer befinden sich in einem Grabsystem. Aus benachbarten Gräbern erklingen Gesangs- und Sprechstimmen, in Erinnerungsfragmenten erzählen sie die Geschichte des korrumpierten Dorfes unter der Alleinherrschaft des skrupellosen Pedro Páramo, dem Vater des zurückgekehrten Protagonisten Juan Preciado.
Die räumlich in Szene gesetzten Stimmen und ihre jeweiligen elektroakustischen Echos entfalten gemeinsam mit dem Instrumentalensemble und den elektronischen Klängen einen halluzinativen Hörraum um den Zuschauer herum. Die körperliche Präsenz der Stimmen, sichtbar oder unsichtbar, solistisch oder chorisch, führt den zunehmend desorientierten Zuschauer in die labyrinthische Welt Comalas und in einen Schwebezustand von Zeit und Raum.

Biographien

Germán Toro Pérez (*Bogotá, 1964) www.toro-perez.com

Seine bisherige Arbeit besteht aus Kompositionen für Orchester, Instrumental- und Vokalensemble, Kammermusik mit und ohne Elektronik, elektroakustische Musik, Klangkunst sowie Arbeiten in Zusammenhang mit grafischem Design, Video, Film und bildender Kunst.
Zahlreiche Aufträge, Preise sowie internationale Aufführungen bei Festivals wie Wien Modern, Klangspuren Schwaz, Synthèse Bourges, Sonorities Belfast, Archipel Genf, ISCM Weltmusiktage u.a. Zusammenarbeit mit Ensembles wie Mondrian Basel, Mosaik Berlin, New Century Players L.A., die Reihe, PHACE, Vokalensemble Zürich und Klangforum Wien. Mitbegründer des NewTonEnsembles, Wien.
Lehrtätigkeit im Bereich Computermusik und elektroakustische Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien (1999-2007). Seit Herbst 2007 Professor für elektroakustische Komposition und Leiter des ICST – Institute for Computer Music and Sound Technology an der Zürcher Hochschule der Künste. Kompositionsdozent bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt 2012. Publikationen in den Bereichen Kompositionstheorie und Ästhetik der Elektroakustik, Künstlerische Forschung, sowie Geschichte und Identität der lateinamerikanischen Musik. Seine aktuellen Forschungsthemen am ICST sind im Bereich Musikalische Geste sowie Aufführungspraxis elektroakustischer Musik angesiedelt.
Stefan Nolte   www.stefannolte.de

Nach dem Regie-Studium an der Theaterakademie Hamburg inszenierte er bisher u.a. am Staatsschauspiel Dresden, Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Stuttgart, Theater Aachen, Theater Dortmund, dem Theater Freiburg sowie in freien Projekten. Er ist Experte für großformatige theatrale Recherchen mit Schauspielern, Zeitzeugen, Musikern und Chören. Dazu zählt «Orpheus in der Unterwelt» (UA des Librettos von Peter Hacks) im stillgelegten Bitterfelder Kulturpalast und seine Parzival-Bearbeitung «Der Gralsucher» auf dem ehemaligen V2-Forschungsgelände in Peenemünde. Mit «Heimat unter Erde» am Theater Dortmund wurde er 2011 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Neben Stadtprojekten, Dramatisierungen und ortsspezifischen Stückentwicklungen hat er bisher u.a. auch Stücke von Georg Büchner, Bertold Brecht, J.W. Goethe, Rainald Goetz, Peter Handke, Elfriede Jelinek und Heiner Müller auf die Bühne gebracht. Von der „Bodenseekonferenz“ beim Zürcher Theaterspektakel (2005) bis zur Oper „Liquid Cristal Display“ (2015) hat er einige Musiktheaterprojekte des Schweizer Komponisten Daniel Mouthon in Zürich inszeniert, zuletzte die Kammeroper „Rou, à rebours“ (Millers, 2016). Außerdem künstlerische Forschung zur «Disembodied Voice» an der Zürcher Hochschue der Künste (ZHdK / Schweizer Nationalfonds) gemeinsam mit Germán Toro Pérez und Lehrtätigkeiten. Stefan Nolte lebt als freiberuflicher Regisseur in Berlin.

Vokalensemble Zürich       www.vokalensemblezuerich.ch
Das von Peter Siegwart gegründete und mit professionellen Stimmen besetzte Vokalensemble Zürich setzt seit über zwanzig Jahren mit ausgewählten Programmen von mittelalterlicher bis zeitgenössischer Musik eigene Akzente abseits des gängigen Kulturbetriebs. Das Ensemble war schon früh Gast an Festivals, so 1991 am Festival Tibor Varga und 1992 an der Schubertiade London Blackheath. Es folgten Einladungen u.a. vom Luzerner Sinfonieorchester (2001, Berio: Sinfonia), vom Opernhaus/Schauspielhaus Zürich (2003, Furrer: Invocation) und vom Kammerorchester Basel (2003, Werke von Kancheli). Das Vokalensemble Zürich hat das L’Orfeo Barockorchester erstmals in die Schweiz geholt und u.a. mit dem Ensemble Contrechamp und dem Ensemble Recherche zusammengearbeitet. Seit 1990 war das Vokalensemble Zürich zudem ständiges Ensemble der Königsfelder Festspiele. Für das Vokalensemble Zürich, das sich neben historischen Raritäten speziell auch neuer Musik widmet, haben eine Reihe von Komponisten Werke geschrieben, so Dieter Ammann, Daniel Glaus, Hans-Jürg Meier, Thomas Müller, Andreas Nick, Philipp Racine, Alfred Zimmerlin u.a..
Das Vokalensemble Zürich ist mit dem «Werkjahr für musikalische Interpretation 2007» der Stadt Zürich ausgezeichnet worden.
PHACE    www.phace.at
PHACE ist seit vielen Jahren in der zeitgenössischen Musikszene sehr erfolgreich aktiv und zählt mit 35 – 45 Terminen pro Jahr zu den innovativsten und vielfältigsten österreichischen Ensembles für zeitgenössische Musik. Neben dem Schwerpunkt der klassischen, zeitgenössischen Kammermusik inkludiert das künstlerische Spektrum Musiktheaterproduktionen und spartenübergreifende Projekte mit Tanz, Theater, Performance, Elektronik, Video, DJs, Turntablisten, Installationen u.v.m. Der aktive Kern des Ensembles (elf MusikerInnen) wird regelmäßig mit MusikerInnen und Gästen aus den verschiedensten Kunstdisziplinen erweitert. PHACE ist regelmäßig an den wichtigsten Konzerthäusern und bei renommierten Festivals, sowohl in Österreich als auch im Ausland, präsent (wie z.B. Wien Modern, Klangspuren Schwaz, deSingel, Stadsschouwburg Amsterdam, Festival d’Avignon, Le Parvis Scène nationale Tarbes Pyrénées, Festival d’Automne à Paris, Salzburger Festspiele, Osterfestival Tirol, Osterfestival Krems, Wiener Festwochen, generator, Wiener Konzerthaus, Transart Bozen, Berliner Festspiele, Ultraschall Berlin, Salihara Festival Indonesien, SonEMUS Festival, Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik, Thaliatheater Hamburg, MarchMusicDays ruse u.v.m.).
Seit Herbst 2012/13 hat PHACE seinen eigenen Zyklus mit vier Konzerten im Wiener Konzerthaus. Seit 2015 veröffentlicht PHACE Aufnahmen unter dem gleichnamigen Eigenlabel PHACE.

Event Dates

May 2017
  • Date
    Project
    Location
  • 16.May.2017 19:30

    Reise nach Comala

    Zürich

    Das Musiktheater Reise nach Comala von German Toro Perez ist ein Theater der Stimmen. Erzählt wird aus einer Perspektive jenseits des Todes. Die Zuschauer befinden sich in einem Grabsystem. Aus benachbarten Gräbern erklingen Stimmen und Echos von Stimmen und erzählen die Geschichte des Dorfes. Comala ist Stimmspeicher und Resonanzraum für diese Stimmen.

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  • 18.May.2017 19:30

    Reise nach Comala

    Zürich

    Das Musiktheater Reise nach Comala von German Toro Perez ist ein Theater der Stimmen. Erzählt wird aus einer Perspektive jenseits des Todes. Die Zuschauer befinden sich in einem Grabsystem. Aus benachbarten Gräbern erklingen Stimmen und Echos von Stimmen und erzählen die Geschichte des Dorfes. Comala ist Stimmspeicher und Resonanzraum für diese Stimmen.

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  • 19.May.2017 19:30

    Reise nach Comala

    Zürich

    Das Musiktheater Reise nach Comala von German Toro Perez ist ein Theater der Stimmen. Erzählt wird aus einer Perspektive jenseits des Todes. Die Zuschauer befinden sich in einem Grabsystem. Aus benachbarten Gräbern erklingen Stimmen und Echos von Stimmen und erzählen die Geschichte des Dorfes. Comala ist Stimmspeicher und Resonanzraum für diese Stimmen.

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  • 20.May.2017 19:30

    Reise nach Comala

    Zürich

    Das Musiktheater Reise nach Comala von German Toro Perez ist ein Theater der Stimmen. Erzählt wird aus einer Perspektive jenseits des Todes. Die Zuschauer befinden sich in einem Grabsystem. Aus benachbarten Gräbern erklingen Stimmen und Echos von Stimmen und erzählen die Geschichte des Dorfes. Comala ist Stimmspeicher und Resonanzraum für diese Stimmen.

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