Voice & Ensemble – Electronics – Silent Film & Live-Music – Ensemble

PHACE | BUTTERLAND

our series at
Wiener Konzerthaus
2019/20

 

CONDUCTORS
Emilio Pomarico
Lars Mlekusch
Peter Siegwart
Johannes Kalitzke

PHACE
Sylvie Lacroix , flute
Walter Seebacher, clarinet
Reinhold Brunner, clarinet
Mathilde Hoursiangou, piano
Berndt Thurner, percussion
Ivana Pristasova, violin
Petra Ackermann, viola
Roland Schueler, cello
Maximilian Ölz, double bass
Alexandra Dienz, double bass
and many more …

Land in Sicht? Oder doch die eigene Vorstellung, Trugbilder, Sehnsüchte, Illusionen? Mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen begibt sich PHACE auf Entdeckungsreise. Zurückgeworfen auf ihren Ursprung, ihre Leere, findet sich die Stimme in Pierluigi Billones »FACE Dia.De« in Gesellschaft einer zweiten, im energiegeladenen Zusammenfluss, im Verschmelzen und im Ausloten verschiedenster klanglich-ritueller Konstellationen mit kraftvollen instrumentalen Inseln des Ensembles. In Murnaus Stummfilm »Phantom« verliert sich die Hauptfigur in einer eigenen, surrealen Traumwelt. Ähnlich ergeht es Pedro Páramo auf seiner »Reise nach Comala«, wo sich aus dem Stimmgewaber der Toten die Geschichte einer korrumpierten Gemeinschaft voller Illusionen entspinnt, die das Publikum in einen Schwebezustand von Zeit und Raum navigiert. »Figuren am Horizont« treten in Form von klingenden Nachrufen bei Johannes Kalitzke auf und schließlich präsentiert PHACE eine mit Spannung erwartete Uraufführung von Johannes Maria Staud.

Vor jedem Konzert spricht Juri Giannini um 18.45 Uhr im Neuen Salon mit Komponistinnen und Komponisten des jeweiligen Abends.

Termine in diesem Zyklus
MO 05.11.2019 KH Zyklus 1 – PHACE | FACE DIA.DE – Stimmen und Ensemble
MI 10.01.2020 KH Zyklus 2 – PHACE | PHANTOM – Stummfilm & Livemusik
MI 18.03.2020 KH Zyklus 3 – PHACE | REISE NACH COMALA – Vokalensemble, Ensemble & Live-Elektronik
DI 15.05.2020 KH Zyklus 4 – PHACE | FIGUREN AM HORIZONT – Ensemble

Details zum Programm finden Sie auf den jeweiligen Seiten.

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Einheitspreis
Mitglieder 69,30 Euro
Normal 84,- Euro

Rollstuhlplatz
Mitglieder 75,00 Euro
Normal 82,- Euro

Jugendabo
Normal 48,- Euro

Preise Einzeltickets ab Herbst 2019 verfügbar!

Mitglieder der Wr. Konzerthausgesellschaft (Beitrag für die Saison 2019/20: € 70,–) erhalten 17,5% Ermäßigung auf bis zu zwei Abonnements pro Zyklus.
silent film  & live music

PHACE | PHANTOM

10.Jan.2020 // 19:30
Wiener Konzerthaus, Großer Saal
PHACE Series 19/20 – N°2
Uraufführung

14.Aug.2020
Elbphilharmonie Hamburg

ein Kompositionsauftrag von Elbphilharmonie Hamburg und Wiener Konzerthaus

 

ARTISTS
Lars Mlekusch, conductor

PHACE

Thomas Frey, flute
Walter Seebacher, clarinet
Stefan Obmann, trombone
Spiros Laskaridis, trumpet
Mathilde Hoursiangou, piano
Berndt Thurner, percussion
Samuel Toro Perez, electric guitar
Ivana Pristasova, violin
Roland Schueler, cello
Alexandra Dienz, double basse
Alfred Reiter, sound design
,

 

 

PROGRAMM

Film: »Phantom« (Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, D 1922)

Wolfgang Mitterer
Musik zu »Phantom« (Regie: Friedrich Wilhelm Murnau, D 1922)
für verstärktes Ensemble und Elektronik (2019) (UA)

eine gemeinsame Produktion von Wiener Konzerthaus, Elbphilharmonie Hamburg und PHACE

 

Mit »Phantom« – nach einer Erzählung von Gerhard Hauptmann – inszenierte Friedrich Wilhelm Murnau vor dem Hintergrund des bürgerlichen Kleinstadtlebens eine “Amour fou par excellence”. Lorenz Lubota, ein armer Bücherwurm und Möchtegern-Dichter, trifft eines Tages auf die schöne und reiche Veronika aus gutem Hause. Von der Schönheit und Unerreichbarkeit Veronikas besessen, verliert er immer mehr den Bezug zur Realität und nimmt Laster und Schulden auf sich, um dem unerreichbaren Phantom seiner Begierde näher zu kommen und gleitet dabei immer tiefer in seine eigene, surreale Traumwelt ab.
Mit Wolfgang Mitterer hat das Wiener Konzerthaus gemeinsam mit der Elbphilharmonie Hamburg und PHACE einem der versiertesten Komponisten unserer Zeit den Auftrag erteilt, dieses psychologische Drama neu zu vertonen.

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chamber music, multimedia

PHACE | ADVENTURES IN WONDERLAND

08. Feb 2019 // 20:15
Hall i.T. / Musik+
Hall, Kurhaus

19.15 Uhr – introduction

PHACE
Sylvie Lacroix, flute
Walter Seebacher, clarinet
Ivana Pristašová, violin
Roland Schueler, cello
Mathilde Hoursiangou, piano
Tom Pauwels, electric guitar
Berndt Thurner, percussion
Alfred Reiter, sound

 

Phace ist seit mehreren Jahren ein steter Begleiter von Musik+. Die gemeinsamen Projekte sind zum einen Klassikern der Moderne und zum anderen neuen Ansätzen der zeitgenössischen Kunst gewidmet. So auch Adventures in Wonderland. Hier begehen die Musiker neue Wege und suchen die Konfrontation mit einer artifiziellen, die gewohnten Wahrnehmungen durchkreuzenden Aufführungs- und Wahrnehmungsrealität – ein Spiel mit ungewohnter räumlicher und zeitlicher Irritation. Die Verflechtung von Bild (Lewis Carroll) und Musik bei Raquel García-Tomás (Alice’s Adventures in Wonderland, 2014) findet ihre Zuspitzung in der vollkommenen synästhetischen Verschmelzung audiovisueller Parameter bei Alexander Schuberts Reflexion (Sensate Focus, 2014) über die Beziehung Mensch und Maschine sowie der Repräsentation des menschlichen Körpers im digitalen Zeitalter mit präziser Gleichschaltung von Lichtimpulsen, Musik und visuellen Eindrücken.


PROGRAMM

Belma Bešlić-Gál & Bernhard Gál
Flut
für Bassflöte und quadrophonische Soundprojektion, 2011 D: 9

Olga Neuwirth
Quasare / Pulsare II
für Violine, Cello und Klavier, 2017 D: 8‘

Reinhold Schinwald
membra disiecta
für Kontrabassklarinette, Zuspielung und Live-Elektronik, 2016/2017
Stimme und Text : Gina Mattiello

Clara Iannotta
The people here go mad. They blame the wind
für Bassklarinette, Cello, Klavier und 12 Spieldosen, 2013/14 D: 11

Raquel García-Tomás
Alice‘s Adventures in Wonderland
für Klavier, Elektronik und Videoanimation, 2014 (ÖEA) D: 9′

Januibe Tejera
Trois fois Silence
für Flöte, E-Gitarre und Klavier, 2014 (ÖEA) D: 8′

Alexander Schubert
Sensate Focus
für E-Gitarre, Bassklarinette, Percussion, Violine,
Live-Elektronik und animiertes Licht, 2014 (ÖEA) D:14′

Tickets für ADVENTURES IN WONDERLAND

Freie Platzwahl: 21€

chamber music, multimedia

Portrait Olga Neuwirth

30. Sept. 2018 // 19:00
Festival Brücken_18
Josef Pillhofer Skulpturenhalle

02. Oct. 2018 // 20:00
Brick5
Herklotzgasse 21, 1150 Wien

Besetzung

Tim Severloh, counter tenor
Ernst Kovacic, violin

PHACE

Roland Schueler, cello
Scott Lygate, clarinet
Mathilde Hoursiangou, piano
Berndt Thurner, percussion
Alfred Reiter, sound

PHACE wird unterstützt vom SKE-Fonds (Austro Mechana), vom Bundeskanzleramt Österreich (Sektion Kunst und Kultur) und der Kulturabteilung der Stadt Wien.

 

PROGRAMM

Five daily Miniatures
für Countertenor, Bassklarinette, Klavier, Violine und Violoncello
Text von Gertrude Stein , 1994  D: 9′

Die Schöpfung
Kurzfilm von Olga Neuwirth, mit Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth, 2010 D: 10′

Spleen für Bassklarinette solo, 1994 D:7′

?DIALOGUES SUFFISANTS!? – Porträt einer Komposition als junger Affe – Hommage à Hitchcock
für Violoncello und Schlagzeug, 1991/92, 12′

P A U S E

incidendo/fluido
für Klavier solo, 11′

Quasare / Pulsare II
für Violine, Cello und Klavier, 2017 D: 8‘

Five daily Miniatures
für Countertenor, Bassklarinette, Klavier, Violine und Violoncello
Text von Gertrude Stein , 1994  D: 9′

 

Olga Neuwirth: Porträttext Verlag Ricordi
„Von Kindheit an hat mich einfach alles interessiert. Von Kunst und Politik bis Wissenschaft und der Psychologie. Leidenschaftlich gegenüber allem. Von den kleinen und den großen Dingen in der Welt lasse ich mich gleichermaßen inspirieren, eben von der wunderbaren Vielfalt des Lebens,“ so Olga Neuwirth Anfang 2015 anlässlich einer Pressekonferenz zu ihrem jüngsten Musiktheaterauftrag für die Wiener Staatsoper. Diese Äußerung ist nicht nur bezeichnend für die beinahe grenzenlose Aufgeschlossenheit der Komponistin, sondern kann auch als Leitlinie für das Verständnis ihrer nunmehr fast drei Jahrzehnte währenden künstlerischen Arbeit dienen.

Vielfältige Impulse
Grundlage des vielgestaltigen Schaffens Olga Neuwirths ist das frühe und unerschöpfliche Interesse an Gebieten jenseits der Musik, ihre Neugier und ihr Wille, das Komponieren in einem umfassenderen Sinn auch in ungewöhnliche Bereiche zu treiben und sich von unterschiedlichsten Impulsen aus Literatur, Kunst, Film, Comic oder Wissenschaft, aus High und Low Art, anregen zu lassen, noch bevor dies in der sogenannten „zeitgenössischen klassischen Musik“ zur Selbstverständlichkeit wurde. So erklärt sich Olga Neuwirths intensive Beschäftigung mit Kunstgattungen wie der installativen Kunst, dem Film oder der Fotografie und der bereits in den ersten Werken aus den späten 1980er Jahren eingeschlagene Weg, die Sphären von Populär- und Hochkultur miteinander zu verschmelzen. Aus ihm erwachsen auch die Voraussetzungen für den Einsatz von Technologie, der sich die Integration von Low-Tech-Instrumenten ebenso zunutze macht wie Live-Elektronik.

Kooperationen
Damit einhergehend verfolgt Neuwirth von den frühesten Werken an die Idee, Zeitgenossenschaft sichtbar zu machen. Daher war sie immer schon auf Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern anderer Sparten bedacht, was sich insbesondere in ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zeigt. Diese Zusammenarbeit begann mit den beiden Mini-Opern (1990) und reicht über ästhetisch herausfordernde Werke wie das Video-Oratorium „Aufenthalt“ (1994), das Hörstück „Todesraten“ (1997), das Poème choréographique „Der Tod und das Mädchen II“ (2000) sowie die Musiktheaterstücke „Bählamms Fest“ (1993/1997–99) und „Lost Highway“ (2002– 03) bis hin zu den Kurzfilmen „Die Schöpfung“ (2009) und „Das Fallen. Die Falle“ (2010). Darüber hinaus hat auch das Interesse an wissenschaftlichen Phänomenen und Fragestellungen Neuwirths Schaffen auf verschiedene Weise beeinflusst. Beispielhaft hierfür ist die Verwendung eigener Brainwave-Daten für das Kurzfilmprojekt „Composer as Mad Scientist“ (2007). In dem Werk „Kloing!“ (2006–07) hat Neuwirth geophysikalische Erdbebendaten auf einen computergesteuerten Flügel übertragen. Dabei kämpft der live spielende Pianist gegen die wissenschaftlichen Messdaten und historische Vorlagen aus Klavierwerken Chopins, Ravels und Liszts. Durch den zusätzlichen Einsatz von Live-Kamera und Video-Zuspielungen ergibt sich eine musiktheatrale Reflexion über Virtuosität und Maschinelles.

Musik und Medien: Olga Neuwirth als Pionierin
Neuwirths Werkverzeichnis spiegelt die enorme Vielseitigkeit der Komponistin und der von ihr verarbeiteten Einflüsse. Bis heute umfasst es zahlreiche Solostücke, Kammermusik, Ensemble- und Orchesterwerke ebenso wie unter Einbeziehung unterschiedlicher Medien konzipierte Arbeiten. Neben ihrem kompositorischen Schaffen entstanden Performances, Installationen, Schauspiel-, Radio- und Filmmusiken, aber auch Texte, Fotografien, Experimental- und Trickfilme sowie Musiktheaterwerke und zwei Bücher. Die sich hierin abzeichnende Arbeit jenseits etablierter Genres und Gattungen stieß allerdings oft auf Unverständnis; in vielerlei Hinsicht war Neuwirth daher eine Pionierin und Wegbereiterin in ihrer Generation. Mit ihrem Schaffen nahm sie Dinge vorweg, die heute längst selbstverständlich geworden sind. Insbesondere setzte sie sich von Anfang an für die Akzeptanz einer Kombination von Musik und Medien ein. Sie befasste sich gegen teils vehemente institutionelle Widerstände immer wieder auf kreative Weise mit der Verbindung von Musik und Bild. Arbeiten wie der 1989 gemeinsam mit ihrer Schwester Flora Neuwirth nach einer Kurzgeschichte von Leonora Carrington gestaltete Trickfilm, der als Grundlage für die Komposition „Canon of Funny Phases“ (1992) diente, zeugen hierbei von einer Vorliebe für Comics und Animation, die bis in jüngere Werken wie „Kloing!“ hinein eine entscheidende Rolle spielt. Darüber hinaus hat Neuwirth aber auch lange Zeit, bevor dies zur Modeerscheinung wurde, in Kompositionen wie „!?dialogues suffisants!?“ (1991–92) und „Jardin désert“ (1993–94) mit der Idee des Medientransfers gearbeitet. Dabei hat sie unter Rückgriff auf akustische und visuelle Übertragungen aus unterschiedlichen Räumen ausgeklügelte Konzeptionen zur Verbindung akustischer und optischer Medien mit dem Ziel einer Gestaltung alternativer Wahrnehmungsformen entwickelt.

Übertragung filmischer Techniken
Bereits zu Beginn der 1990er Jahre hat die Komponistin filmische Techniken auf das Komponieren von Instrumental- und Vokalwerken übertragen und in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. Dies zeigt sich in Musiktheaterwerken wie „Bählamms Fest“ und „Lost Highway“ nach David Lynch. Die Verwendung von Videoschichten und -techniken wie Morphing werden hier in den Dienst ihrer Musiktheaterkonzeptionen gestellt. Sie arbeitete nicht nur mit Filmemachern und Videokünstlern zusammen – so beispielsweise mit der französischen Videokünstlerin Dominique Gonzalez-Foerster bei dem Projekt „… ce qui arrive …“ (2003–04) –, sondern schrieb auch mehrere Filmmusiken. Neben Stummfilmvertonungen, etwa zu Viking Eggelings abstraktem Film „Symphonie Diagonal“ (2006) oder Alfred Machins Antikriegsfilm „Maudite soit la guerre“ (2014), sind in jüngerer Zeit Kompositionen für den Dokumentarfilm „Erik(A)“ von Kurt Mayer (2004) sowie für die Spielfilme „Das Vaterspiel“ von Michael Glawogger (2007–08) und „Ich seh Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala (2014) entstanden. Schließlich hat die Komponistin auch eine Reihe eigener experimenteller Essay-Filme wie „… disenchanted time …“ (2005) und „… durch Luft und Meer …“ (2007) geschaffen. Dies alles unterstreicht die Tatsache, dass Neuwirth als Künstlerin keinerlei Berührungsängste kennt und die heute immer stärkere spürbare Aufweichung der Grenzlinie zwischen Technologie und klassischer Musik schon früh produktiv für ihre Arbeit zu nutzen wusste.

Elektronik als integraler Bestandteil
Bezeichnend ist auch der Einsatz von Technologie in ihren Kompositionen, also die Verwendung von Low-Tech-Instrumenten wie den Ondes Martenot (in „Sans Soleil“ aus 1994) oder dem Theremin (im Musiktheater „Bählamms Fest“) sowie die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Live-Elektronik. Bereits in ihren frühen Mini-Opern „Der Wald – ein tönendes Fastfoodgericht“ (1989–90) und „Körperliche Veränderungen“ (1990–91) wird die Live-Elektronik zu einem unverzichtbaren Bestandteil der künstlerischen Konzeption, der vielfache Verzweigungen erfahren hat. Dies zeigt sich zum Beispiel in „The Long Rain“ (1999), einem Werk, das ursprünglich als „Raumklang- Skulptur“ unter Verwendung eines 24-Kanal-Surround-Lautsprechersystems und eines entsprechenden Video-Surround-Konzepts geplant war. Oder auch in Neuwirths jüngster Raumklang-Arbeit „Le Encantadas“ (2014–15) – dort ausgehend von der Idee einer Rekonstruktion der Akustik der venezianischen Kirche San Lorenzo in einem Konzertsaal. Dabei begreift die Komponistin all diese Einflüsse nicht als das Andere, das von außen her an die Musik herangetragen wird, sondern macht sie zu integralen Bestandteilen ihrer künstlerischen Konzeptionen, aus denen heraus sie die jeweiligen musikalischen Diskurse und Narrationen entwickelt.

Ein Kunstbegriff, der die Gesellschaft herausfordert
In der hochgradig differenzierten Klangwelt ihrer Musik erhebt Neuwirth die Arbeit mit Brüchen, mit dem Nebeneinander und der Übereinanderschichtung heterogener Klangereignisse, aber auch mit Zitaten und Anspielungen zu einem ihrer Prinzipien und verbindet dies oftmals mit einem bissigen und hintergründigen schwarzen Humor. Das manifestiert sich unter anderem in ungewöhnlichen instrumentalen und elektronischen Klangkombinationen. Diese Kombinationen sind Signatur eines Kunstbegriffs, der konsequent die Gesellschaft herausfordert und durch vielfachen Bezug auf politische Inhalte vermeintliche Sicherheiten in Frage stellt. Dafür stehen beispielhaft die Verwendung von Kinderinstrumenten im Ensemblestück „Vampyrotheone“ (1994–95), die Einbeziehung einer verstimmten Viola d’amore in der Komposition „La vie … ulcérant(e)“ (1995), die Verwendung elektronischer Zuspielungen von vierteltönig gegeneinander verstimmten Gamben- und Theorbenklängen in „Lonicera Caprifolium“ (1993) oder die live-elektronisch transformierten Glasklänge in „Bählamms Fest“.

Musiktheater
Entsprechende Strategien hat die Komponistin auch auf ihre szenischen Konzeptionen übertragen, was mitunter zur Auflösung narrativer Handlungsverläufe zugunsten einer vielschichtigen Bühnendisposition führt. Werke wie das auf dem Drehbuch zu David Lynchs gleichnamigem Film basierende Musiktheater „Lost Highway“ sprengen nicht nur den elektronisch-musikalischen Rahmen und reizten zu ihrer Entstehungszeit die technologischen Möglichkeiten bis zum Äußersten aus, sondern brechen auch die Handlung zugunsten einer nicht-progressiven Abfolge von Szenen auf. Die auf Herman Melvilles Roman „Moby-Dick“ fußende Oper „The Outcast – A musicstallation-theater with video“ (2009–11) ist eine musikalisch-szenische Reflexion über die Arbeit des Künstlers, das Schreiben und die Bedeutung von Erinnerung. Das Werk ist ein Plädoyer für Toleranz gegenüber dem anderen, es lenkt den Blick auf die Frage nach den Bedingungen der Künstlerexistenz in einer leistungsorientierten kapitalistischen Gesellschaft.

Identität als Kernthema
Überhaupt gehört das musiktheatralisch artikulierte Nachdenken über künstlerische Identität zu den Kernthemen von Neuwirths Schaffen. Dieses Thema ist nicht nur dort präsent, wo die Komponistin sich primär mit dem Schaffensprozess auseinandersetzt, wie in ihrer für die documenta 12 entstandenen Klanginstallation „… miramondo multiplo …“ (2007) oder in der Komposition mit Video, … ce qui arrive …“ (2003-04). Auch dort, wo die Komponistin die Künstlerexistenz in ihrer Wechselwirkung mit der Gesellschaft zeigt, wird Identität zusätzlich in die Reflexion politischer Zusammenhänge eingebettet. In diesem Sinne fokussiert Olga Neuwirth ihr künstlerisches Schaffen immer wieder auf vielschichtige Künstler- und Außenseitergestalten, die sie im Spiegel sozialer Verhaltensweisen zeigt, um Diskriminierung als Verwobenheit vielfältiger Strukturen aufzuzeigen. Dies zeigt sich in ihrer die Rassenproblematik und strukturelle Diskriminierung thematisierenden Neuinterpretation von Albans Bergs „Lulu“ als „American Lulu“ (2006/2011) sowie in der ebenfalls diesem Themenkomplex gewidmeten Komposition „Eleanor“ (2014). Ebenso gilt dies für ihre langjährige und variantenreiche, seit Ende der 1980er Jahre greifbare Beschäftigung mit Pop- und Jazzmusik, vor allem ist hier ihre Auseinandersetzung mit dem Pop-Countertenor Klaus Nomi zu nennen, die in dem mehrteiligen Liederzyklus „Hommage à Klaus Nomi“ (1998) und dessen als „A Song-Play in Nine Fits“ (2009) zum Musiktheater ausgeweiteter Fassung ihren Niederschlag gefunden hat.

Mechanismen der Erinnerung
Ein eng mit solchen Fragestellungen verknüpftes Anliegen ist auch die Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Erinnerung, die sich, gleichfalls seit Beginn der 1990er Jahre in Werken wie den „Five Daily Miniatures“ (1994) und „Pallas/Construction“ (1996) thematisiert, durch Neuwirths gesamtes Schaffen zieht. Klingende Ausprägung findet die Beschäftigung mit dieser Thematik auf jeweils unterschiedliche Weise in Arbeiten wie dem Orchesterstück „Clinamen/Nodus“ (1999) – einer Komposition für Streichinstrumente, zwei mikrointervallisch gestimmte Zithern und Schlagzeug, die anlässlich der Konzerttournee zum 75. Geburtstag von Pierre Boulez entstand –, in den mit Erinnerungsbruchstücken unterschiedlichster Art arbeitenden Konzerten für Trompete („… miramundo multiplo …“, 2006) und für Viola („Remnants of songs … an amphigory“, 2009) sowie in „Masaot/Clocks without Hands“ (2013). In diesem 2015 von den Wiener Philharmonikern uraufgeführten Orchesterstück analysiert die Komponistin die Mechanismen von politischem Erinnern und Vergessen und verknüpft dies zugleich auch mit einer Erkundung der Wurzeln ihrer eigenen (künstlerischen) Identität. Mit ihrem gesamten Schaffen dokumentiert Neuwirth, dass sie – als Frau in einer auch heute noch männlich dominierten Domäne tätig – von jeher eine stets scharfe und hellsichtige Beobachterin der politischen Verhältnisse ist. Dabei engagiert sie sich kontinuierlich auch als Kämpferin für die Befreiung der Kunst von inneren und äußeren Zwängen sowie gegen die Vereinnahmung und Funktionalisierung der Kunst. Ihr Wissensdurst und ihre Neugier führten daher schon früh zu jenem eingangs umrissenen Lebensverständnis, zu dem die Leidenschaft gegenüber allem – die Inspiration „von den kleinen und den großen Dingen in der Welt“ – ebenso gehört wie das ständige Umhergetriebensein zwischen Politik und Kunst. Neben anderen Auszeichnungen hat sie 2010 als erste Frau den Großen Österreichischen Staatspreis erhalten; darüber hinaus ist sie seit 2006 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und seit 2013 Mitglied der Akademie der Bildenden Künste München.

Text: Stefan Drees

Solo & Ensemble – Chamber Music – Electronics – Concert Installation

PHACE | GOING SLIGHTLY MAD

our series at
Wiener Konzerthaus
2018/19

 

CONDUCTORS
Nacho de Paz
Lars Mlekusch

PHACE
Sylvie Lacroix , flute
Walter Seebacher, clarinet
Reinhold Brunner, clarinet
Mathilde Hoursiangou, piano
Berndt Thurner, percussion
Ivana Pristasova, violin
Petra Ackermann, viola
Roland Schueler, cello
Maximilian Ölz, double bass
Alexandra Dienz, double bass

Im neuen Zyklus GOING SLIGHTLY MAD suchen wir die Leidenschaft und das Feuer, das uns antreibt, werden zu Wanderern zwischen
unterschiedlichen Realitäten und präsentieren zahlreiche österreichische Erstaufführungen sowie eine Uraufführung. Samplingtechnik, Repetition und Variation, Spiel mit Erwartungshaltungen, Unschärferelationen zwischen Improvisation und Komposition charakterisieren das abwechslungsreiche Programm des ersten Konzerts MIT ETWAS EXTREMISMUS.

Im zweiten Konzert ADVENTURES IN WONDERLAND suchen wir die Konfrontation mit einer artifiziellen, die gewohnten Wahrnehmungen durchkreuzenden Aufführungs- und Wahrnehmungsrealität – ein Spiel mit ungewohnter räumlicher und zeitlicher Irritation. Die Verflechtung von Bild (Alfred Hitchkock, Lewis Carroll) und Musik bei Neuwirth bzw García-Tomás findet ihre Zuspitzung in der vollkommenen synästhetischen Verschmelzung audiovisueller Parameter bei Alexander Schuberts Reflexion über die Beziehung Mensch und Maschine sowie der Repräsentation des menschlichen Körpers im digitalen Zeitalter mit präziser Gleichschaltung von Lichtimpulsen, Musik und visuellen Eindrücken.

Das dritte Konzert, COMING SOON! von Jorge Sánchez-Chiong (Musik) und den TE -R (Louise Linsenbolz & Thomas Wagensommerer, Video), spielt mit dem Phänomen der Antizipation, des Schmackhaftmachens, des Versprechens. Im eigenwilligen Dialog zwischen Bühne, Film und Musik stellt Coming Soon! Erwartungen durch die Thematisierung der Erwartung in Frage.

Als Höhepunkt des Zyklus zeigen wir im vierten Konzert Fausto Romitellis AN INDEX OF METALS, ein kraftvolles, paradoxes Meisterwerk, changierend zwischen Realität und Halluzination. Sound, Bild, Farbgebungen und Lichteinfälle verschmelzen zu einem Magma aus rhythmisch bewegter, gleißender, funkensprühender, zähflüssiger, gewaltiger Materie. Ein feuriger Ensemblepart, elektrisch und psychedelisch; eine
elektronisch gefilterte, geräuschhafte Stimme, die mit Halleffekten murmelt, ins Megafon flüstert, wie ein Popstar kreischt; und eine E-Gitarre, die Romitelli in einer Art, wie sie kein ‚ernster‘ Komponist je bedacht hat, entlang unendlicher Klangweiten führt, Pop- und Rocksounds integriert, verzerrt, modelliert. Daisy Press (Stimme), Nacho de Paz (Dirigent) und PHACE entfalten – entlang einer depressiv-dämonischen „Hellucination“-Lyrik (Text: Kenka Lèkovich), die wie das letzte Aufseufzen einer gequälten Seele wirkt – einen Balanceakt am Rande des Wahnsinns.

Termine in diesem Zyklus
MO 12.11.2018 KH Zyklus 1 – PHACE | MIT ETWAS EXTREMISMUS – Ensemble & Elektronik
MI 30.01.2019 KH Zyklus 2 – PHACE | ADVENTURES IN WONDERLAND – Multimedia
MI 13.03.2019 KH Zyklus 3 – PHACE | COMING SOON – Ensemble & Video
DI 21.05.2019 KH Zyklus 4 – PHACE | AN INDEX OF METALS – Videooper

Details zum Programm finden Sie auf den jeweiligen Seiten.

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Einheitspreis
Mitglieder 67,60 Euro
Normal 82,- Euro

Rollstuhlplatz + Begleitperson
Mitglieder 100,70 Euro
Normal 122,- Euro

Jugendabo
Normal 48,- Euro

Preise Einzeltickets ab Herbst 2018 verfügbar!

Mitglieder der Wr. Konzerthausgesellschaft (Beitrag für Saison 2018/2019: 65, – Euro) erhalten 17,5% Ermäßigung auf bis zu zwei Abonnements pro Zyklus.
chamber music, multimedia

PHACE | ADVENTURES IN WONDERLAND

30. January  2019 // 19:30
Wiener Konzerthaus, Berio-Saal

PHACE Series 18/19 – N°2

PHACE
Sylvie Lacroix, flute
Walter Seebacher, clarinet
Ivana Pristašová, violin
Roland Schueler, cello
Mathilde Hoursiangou, piano
Tom Pauwels, electric guitar
Berndt Thurner, percussion
Alfred Reiter, sound

 

Im zweiten Konzert ADVENTURES IN WONDERLAND suchen wir die Konfrontation mit einer artifiziellen, die gewohnten Wahrnehmungen durchkreuzenden Aufführungs- und Wahrnehmungsrealität – ein Spiel mit ungewohnter räumlicher und zeitlicher Irritation. Die Verflechtung von Bild (Alfred Hitchkock, Lewis Carroll) und Musik bei Olga Neuwirth beziehungsweise Raquel García-Tomás findet ihre Zuspitzung in der vollkommenen synästhetischen Verschmelzung audiovisueller Parameter bei Alexander Schuberts Reflexion über die Beziehung Mensch und Maschine sowie der Repräsentation des menschlichen Körpers im digitalen Zeitalter mit präziser Gleichschaltung von Lichtimpulsen, Musik und visuellen Eindrücken.


PROGRAMM

Belma Bešlić-Gál & Bernhard Gál
Flut
für Bassflöte und quadrophonische Soundprojektion, 2011 D: 9

Olga Neuwirth
?DIALOGUES SUFFISANTS!? – Porträt einer Komposition als junger Affe – Hommage à Hitchcock
für Violoncello und Schlagzeug, Zuspielungen und Videomonitore, 1991/92 D:12

Clara Iannotta
The people here go mad. They blame the wind
für Bassklarinette, Cello, Klavier und 12 Spieldosen, 2013/14 D: 11

Raquel García-Tomás
Alice‘s Adventures in Wonderland
für Klavier, Elektronik und Videoanimation, 2014 (ÖEA) D: 9′

Januibe Tejera
Trois fois Silence
für Flöte, E-Gitarre und Klavier, 2014 (ÖEA) D: 8′

Alexander Schubert
Sensate Focus
für E-Gitarre, Bassklarinette, Percussion, Violine,
Live-Elektronik und animiertes Licht, 2014 (ÖEA) D:14′

Einzeltickets für ADVENTURES IN WONDERLAND

Allgemeiner Vorverkaufsbeginn für Einzeltickets
im Wiener Konzerthaus: Dezember 2018

Ensemble, Elektronik & Video

PHACE | COMING SOON

13.March 2019 // 19:30
Wiener Konzerthaus, Berio-Saal
PHACE Series 18/19 – N°3

LABOR – 10. & 11.12.2018 – 18:00

The process of creating and rehearsing COMING SOON! is shared with the audience – join us at our studio: 1150, Selzergasse 18
Mandatory application: info@phace.at

soloists

Jorge Sánchez-Chiong, Turntables
Alfred Reiter, Klangregie,
TE-R (Louise Linsenbolz, Thomas
Wagensommerer + Georg List), Video

PHACE

Reinhold Brunner, clarinet
Spiros Laskaridis, trumpet
Stefan Obmann, trombone
Samuel Toro Perez, electric guitar
Petra Ackermann, violin

Roland Schueler, cello
Mathilde Hoursiangou, keyboard
David Panzl, percussion
Igor Gross, percussion
Alexandra Dienz, double bass

PHACE wird unterstützt vom SKE-Fonds (Austro Mechana), vom Bundeskanzleramt Österreich (Sektion Kunst und Kultur) und der Kulturabteilung der Stadt Wien.

Ankündigung, Erwartung, Warten: Coming Soon spielt mit dem Phänomen der Antizipation und des Versprechens, indem verschiedene mediale Ausformungen wie Teaser, Trailer, Werbung mit losen Informationen, bruchstückhaften Videosequenzen & Klangpartikeln in eine poetische, non-lineare Narration in Beziehung gesetzt werden.

Jorge Sánchez-Chiongs Musik entwickelt seine treibende Kraft aus der Lebendigkeit und Spontanität der Improvisation und sprengtden Rahmen der Konzertmusik. In enger Zusammenarbeit mit den Musikern und Musikerinnen von PHACE und dem Künstler*innen-Duo TE-R (Louise Linsenbolz und Thomas Wagensommerer) entstand über mehrere Monate hinweg ein musikalisch explosives Gemisch, ein lustvollvirtuoses fesselndes Farbenspiel, aufwühlend und kompakt. Für das Video verwenden TE-R tagebuchartige Videosequenzen von Georg List, der von Kindesbeinen an über einen Zeitraum von 25 Jahren sein Leben, seinen Alltag und seine Umwelt per Videokamera archivierte. Durch Coming Soon wird nun eine Geschichte geschrieben, die wenn sie nicht so war, so hätte sein können, aber nach 25 Jahren nun doch ist, weil sie rezipiert werden kann.


PROGRAMM

Jorge Sánchez-Chiong
Coming Soon
für Ensemble, Elektronik, Turntables und Video, 2018 (UA)

Kompositionsauftrag von PHACE, mit Unterstützung durch das Wiener Konzerthaus und den
SKE-Fonds

TE-R und Jorge Sánchez-Chiong, Konzept

Einzeltickets für Coming Soon

Direkt über die Website des Wiener Konzerthauses:

film & livemusic

Die Stadt ohne Juden
Olga Neuwirth

 

06.03.2021 Salzburg, Aspekte
06.12.2020 Graz,  Oper Graz

09.06.2020 Graz,  Oper Graz (aufgrund von Covid19 verschoben)
08.06.2020 Vienna, Le Studio (aufgrund von Covid19 verschoben)
23.05.2020 Gent, Gent, Music Centre De Bijloke (aufgrund von Covid19 abgesagt)
28.03.2020 Salzburg, Aspekte (aufgrund von Covid19 verschoben)
24.09.2019 Frankfurt, Alte Oper
29.03.2019 Berlin, Maerzmusik
28.11.2019 Hamburg, Greatest Hits
15.11.2019 London, Barbican Center
07.11.2019 Vienna, Wiener Konzerthaus (wp)

 

Conductors

Nacho de Paz
Lars Mlekusch (Aspekte Salzburg 2020)

 

PHACE

Walter Seebacher, clarinet
Michael Krenn, saxophone
Spiros Laskaridis, trumpet
Stefan Obmann, trombone
Tom Pauwels, electric guitar (Berlin)
Felix Pöchhacker, electric guitar (Wien, London, Hamburg, Frankfurt, Salzburg, Graz)
Petra Ackermann, viola
Ivana Pristasova, viola (Oper Graz)
Roland Schueler, cello
Mathilde Hoursiangou, keyboard
Berndt Thurner, percussion
Alfred Reiter, sound

The cooperation of PHACE and Nacho de Paz is kindly supported by Acción Cultural Española (AC/E) / PICE.
supported by Bundeskanzleramt Österreich, City of Vienna, SKE-Fonds.
ACE accion cultural logo

PROGRAMM

Stummfilm
Die Stadt ohne Juden 
(Österreich, 1924)

Regie: Hans Karl Breslauer
Musik: Olga Neuwirth (2017)

Eine Kompositionsauftrag von Wiener Konzerthaus, Elbphilharmonie Hamburg, Ensemble Intercontemporain, Barbican Centre und Sinfonieorchester Basel. 

Der Stummfilm DIE STADT OHNE JUDEN wird heute als eine der wichtigsten österreichischen Produktionen der Zwischenkriegszeit angesehen. Auf dem gleichnamigen Roman vom jüdischen Schriftsteller und Journalisten Hugo Bettauer basierend, wurde der Film 1924 in Wien gedreht. Irritierend prophetisch zeigt er die kulturelle und ökonomische Verarmung einer Stadt nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung. Das Werk war nur in einer fragmentarischen Version erhalten – außerdem hinsichtlich seines Inhalts verharmlosend – bis das Österreichische Filmarchiv schließlich die verschollenen Teile in Frankreich wiederentdeckte.

Für dieses außergewöhnliche Stummfilmprojekt erteilte das Wiener Konzerthaus gemeinsam mit anderen Partnern der österreichischen Komponistin Olga Neuwirth den Auftrag, eine Filmmusik speziell dafür zu schreiben. PHACE hat die Welt-Uraufführung der restaurierten Fassung mit der neu geschaffenen Musik im November 2018 im Wiener Konzerthaus präsentiert.

 

Ensemble – Electronics

PEOPLE / TIME

5. Oct. 2017 // 19:30
Graz, ORF Musikprotokoll
Helmut List Halle

conductor

Simeon Pironkoff

soloists

Mira Lu Kovacs, voice
Walter Seebacher, clarinet

PHACE

Sylvie Lacroix, flute
Walter Seebacher, clarinet
Alvaro Collao Leon, saxophone
Manuel Egger, horn
Stefan Obmann, trombone
Berndt Thurner, percussion
Mathilde Hoursiangou, piano
Ivana Pristasova, violin
Roland Schueler, cello
Alexandra Dienz, double bass
Peter Rom, e-guitar
Alfred Reiter, sound

kindly suppported by

gfoem_logo_2018

Programm

Francesco Filidei (*1973)
Finito ogni gesto 
für sechs Instrumente, 2010

Christof Dienz  (*1968)
Der Fliegende – Konzertstück für Klarinette, Gesang, Ensemble und Elektronik,  2017 (UA)
ein Auftragswerk von PHACE & ORF musikprotokoll im steirischen herbst

P A U S E

Hannes Kerschbaumer (*1981)
Patina 
für 5 Instrumente und resonierende Oberflächen, 2016

Pierre Jodlowski (*1971)
People / Time
für Klarinette, Posaune, Schlagwerk, Klavier, Violine, Cello, Live-Elektronik und Video, 2003 (ÖEA)

composition, video : Pierre JODLOWSKI
video: Pascal BALTAZAR

Subscriptions & Tickets
Ensemble – Video – Electronics

Fausto Romitelli
AN INDEX OF METALS

A video-opera by Fausto Romitelli (music) and Paulo Pachini (video)

11.11.2019 Bratislava, Melos Ethos Festival
21.05.2019 – Vienna
Wiener Konzerthaus – Mozart-Saal
PHACE series 2018/19
29.04.2018 Valencia, Ensems Festival
28.04.2018 Barcelona, L’Auditori -Sampler Series
26.04.2018 Hamburg, Elbphilharmonie
25.04.2018 Salzburg, Aspekte Festival
conception

Fausto Romitelli & Paolo Pachini

music

Fausto Romitelli

text

Kenka Lèkovich

video

Paolo Pachini, Leonardo Romoli

musical informatics

Stefano Bonetti, Paolo Pachini

techno intermissions by courtesy of Pan Sonic.

conductor

Nacho de Paz

voice

Daisy Press

PHACE

Sylvie Lacroix, flute
Alessandro Baticci, flute (Bratislava 2019)
Markus Sepperer, oboe
Walter Seebacher, clarinet
Thomas Fleißner, trumpet (tour 2018)
Spiros Laskaridis, trumpet (Vienna 2019)
Stefan Obmann, trombone
Tom Pauwels, electric guitar
Manuel Mayr, electric bass
Mathilde Hoursiangou, keyboard
Ivana Pristasova, violin
Petra Ackermann, viola
Roland Schueler , cello
Florian Bogner, sound

AN INDEX OF METALS

Programm

Fausto Romitelli
Natura morta con fiamme (1991–1992) für Streichquartett und Elektronik

An Index of Metals.
Video-Oper für Sopran, Ensemble, multimediale Projektion und Elektronik (Libretto: Kenka Lèkovich) (2003)
Fausto Romitelli: Konzept, Musik, Paolo Pachini: Konzept, Video

An Index of Metals ist ein überwältigender Beleg für die Entschlossenheit des Komponisten zur Überschreitung: ein feuriger Orchesterpart, elektrisch und psychedelisch; eine elektronisch gefilterte, geräuschhafte Stimme, die mit Halleffekten murmelt, ins Megafon flüstert, wie ein Popstar kreischt; und eine E-Gitarre, die Romitelli in einer Art, wie sie kein ‘ernster’ Komponist je bedacht hat, entlang unendlicher Klangweiten führt, Pop- und Rocksounds integriert, verzerrt, modelliert.

Kurz vor seinem Tod ließ Romitelli gemeinsam mit dem befreundeten Videokünstler Paolo Pachini und der Librettistin Kenka Lékovich die Vision der Futuristen von einer genresprengenden Gesamtkunst wieder aufleben. Inszeniert wird ein synästhetisches Erlebnis: Sound, Bild, Farbgebungen und Lichteinfälle verschmelzen zu einem Magma aus rhythmisch bewegter, gleißender, funkensprühender, zähflüssiger, gewaltiger Materie. Geformt werden Klangskulpturen von quasi-organischer Plastizität, auf allen Sinnebenen werden Struktur, Stärke, Durchlässigkeit, Dichte, Glanz und Elastizität (Romitelli) erfahrbar. An Index of Metals, ein kraftvolles, paradoxes Meisterwerk, changierend zwischen Realität und Halluzination.

(Originaltext © Jean-Luc Plouvier, deutsche Adaption: PHACE)

 

3 songs for an index of metals by Kenka Lèkovich (2003)

METALSUSHI

HELLUCINATION 1
(drowningirl)

1.

shining growing
melting drowning
into an iron
bluegrey wave
a pillowing wave
breaking over her head
sudden extreme honeymooners
literally drowning in emotions

2.

she suddenly fell
in a metal-miso hell
a loop of seaweed soup
pieces of milky broken glass
leaves of red copper rust
industrial noisy dust

3.

she don’t care
she wan’t call Brad for help
she would rather give up too soon
she will drown and sink in a spoon
SHE’D RATHER SINK IN HER NAIL ENAMEL
SHE’D RATHER SINK IN HER LONGLASTING NAIL ENAMEL
INOXIDIZABLE STAINLESS EXPRESS

HELLUCINATION 2

(risingirl)

1.

Murder by guitar,
nickel you are
but when I pierce and fix
your smile
to dive in and dive
you rise on and rise
infected by noise

2.

A brown lust for life,
rust you are
but when I collapse into
your eyes
to dive in and dive
you rise on and rise
corroded by noise

3.

Black Iron Prison,
chrome you are
but when I crash into
your bones
to dive in and dive
you rise on and rise
corrupted by noise

4.

The basement is done
lithium you are
but when I hit and shot
your soul
to dive in and dive
you rise on and rise
crucified by noise

 

HELLUCINATION 3

(earpiercingbells)

BEDRIDDEN (TO)
DUMBFOUND
NOISEDIN
EARPIERCING BELLS
HELLPHONES
METAL SHELLS

Steel  thrust sucking space

corrupting
infecting
transfixing
collapsing
empoison
imprison
enchain
incinerate
lacerate
perforate
intoxicate

demolishing
squashing
crashing

corrode
pierce
hole
bore
drown
nail
rent
break
cut
shoot
strike
hit

crucify the heartbeat

The cooperation with Nacho de Paz for AN INDEX OF METALS is kindly supported by

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